Spannender Krimi trifft aktuelle LGBTQ+-Thematik
Eigentlich läuft es für Maxim Volkov gerade überhaupt nicht rund. Der Privatdetektiv kämpft nicht nur mit einer ordentlichen Flaute bei den Aufträgen, sondern auch mit einer schmerzhaften Trennung von seinem Lover Lukas Evers. Doch das Blatt wendet sich – irgendwie – als ausgerechnet Lukas, seines Zeichens erfolgreicher Anwalt, plötzlich wieder in Maxims Büro auftaucht. Und er kommt nicht allein: Mit ihm steht die prominente Besitzerin von Pride TV, einem queeren Berliner Fernsehsender, vor der Tür. Sie erhält bedrohliche Hassnachrichten und bittet Maxim um Hilfe. So nimmt der neueste Fall seinen Lauf, und was dann folgt, ist ein Krimi, der es wirklich in sich hat.
Aktuelle Gesellschaftskritik
Schon beim Lesen des Klappentextes war klar: Das Thema ist aktuell, brisant und unbequem. Rechte Gewalt und Hasskriminalität, besonders gegen Mitglieder der LGBTQ+-Community, sind leider immer noch brandaktuell. Orlando Stein schafft es hervorragend, diese ernste und wichtige Thematik mit einer spannenden Krimihandlung unterzubringen. Der Autor greift dabei nicht nur gesellschaftliche Probleme auf, sondern behandelt sie mit einer Feinfühligkeit, die beeindruckt. Trotz des ernsten Hintergrunds bleibt das Buch angenehm lesbar und überraschend humorvoll.
Sympathische Figuren mit Tiefgang
Ein großer Pluspunkt ist dabei das authentische Figurenensemble rund um Maxim. Maxim selbst ist ein interessanter Typ: etwas mürrisch, manchmal grummelig, aber trotzdem (oder gerade deswegen) unglaublich sympathisch. Seine raue Schale verbirgt eine tiefgründige Persönlichkeit, die nach und nach zum Vorschein kommt. Besonders in den Szenen, in denen seine Beziehung zu seinem Assistenten Timmy intensiver wird, bekommt Maxim eine angenehm verletzliche Seite, die ihn als Charakter wunderbar greifbar macht.
Apropos Timmy – der ist definitiv ein kleines Highlight des Buches. Eigentlich studiert er Geschichte, aber seine heimliche Schwärmerei für Maxim zieht ihn immer wieder in dessen Fälle hinein. Timmys naive und gleichzeitig mutige Art bildet einen schönen Kontrast zu Maxims eher abgeklärtem Charakter. Die Dynamik zwischen den beiden sorgt immer wieder für humorvolle Momente, charmante Dialoge und genug Knistern, um die Story spannend zu halten. Dabei wirkt ihre Annäherung realistisch und emotional überzeugend, auch wenn der Autor später von „Slow Burn“ spricht – gut, darüber kann man streiten. 🙂 Die romantischen Szenen sind dennoch gut gelungen und fühlen sich authentisch und keineswegs kitschig an.
Spannende Ermittlungen
Neben der zwischenmenschlichen Dynamik überzeugt aber vor allem auch der Krimiaspekt des Romans. Die Ermittlungen von Maxim und Timmy sind spannend gestaltet und führen den Leser an interessante Orte, vom Berliner Sportclub bis hin zu einem verlassenen Landgut und in die akademische Welt einer Professorin, die sich mit Extremismusforschung beschäftigt. Stein versteht es, die einzelnen Ermittlungsschritte mit einer guten Portion Spannung zu versehen und den Leser dabei immer wieder aufs Neue zu überraschen. Gerade die leicht illegalen Vorgehensweisen der beiden Detektive verleihen der Geschichte eine gewisse Würze, ohne dass es jemals unglaubwürdig wird.
Flüssiger Schreibstil und gelungene Spice-Szenen.
Ein weiterer Punkt, der unbedingt erwähnt werden muss, ist der Schreibstil des Autors. Orlando Stein schreibt lebendig, flüssig und wahnsinnig gut lesbar. Es gelingt ihm, sowohl humorvolle als auch ernste Passagen perfekt auszubalancieren. Das sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann und die 300 Seiten regelrecht verschlingt. Besonders gelungen finde ich, wie die leidenschaftlichen Szenen (ja, das Buch hat definitiv Spice!) so harmonisch in die Handlung eingeflochten werden. Sie wirken nie erzwungen, sondern immer passend und authentisch. Das gefällt.
Fazit: Unbedingt lesenswert!
Insgesamt ist „Maxim – der Wolf: ShadowSphere“ ein Buch, das ich wirklich von Herzen empfehlen kann. Der Roman kombiniert gekonnt Spannung, Romantik und Gesellschaftskritik zu einer Geschichte, die spannend ist und gut unterhält. Es macht unglaublich viel Spaß, Maxim und Timmy auf ihren Ermittlungen zu begleiten, mit ihnen zu lachen und mitzufiebern. Orlando Stein beweist eindrucksvoll, dass er das Genre beherrscht, und liefert dabei nicht nur spannende Unterhaltung, sondern auch einen wichtigen Denkanstoß.
Deshalb: Lieber Orlando, bitte mehr davon!
Text: Ben Männel; Instagram: @buchkomet; Blog: http://wonderlink.de/@buchkomet
Cover-Rechte: Dead Soft Verlag